Das Rätsel der Anziehung

Früher war ich ein sehr verklemmtes Mädchen. Gefangen in meinem eigenen Kopf und getrieben von Ängsten. Es befand sich irgendwie immer ein dicker, realitätsverzerrender Schleier zwischen der Außenwelt und mir.
In der Öffentlichkeit zum Beispiel, traute ich mich nie Menschen anzuschauen.

Eines Tages hatte ich schlicht die Schnauze voll von meiner mehr oder weniger selbst erbauten Gefangenschaft. Vor allem die Erkenntnis, dass ich mit über 20 nicht wirklich wusste, welche Menschen mein Typ sind, trieb mich dazu an diese Ängste loszuwerden.

Ich begann ganz bewusst Menschen zu beobachten und vor allem, wie ich intuitiv auf wen reagiere. Blicken stand zu halten fällt mir oft immer noch sehr schwer, aber ansonsten habe ich große Fortschritte gemacht.
Ich bin sehr fasziniert davon, wen ich so anziehend finde. Oft sind es nur kleine Details, die Menschen plötzlich interessant machen.

Heute zum Beispiel, als ich auf den Bus wartete, gesellte sich ein großer schlanker Kerl zu mir. Seiner Kleidung und Art nach, deutete ich ihn in die alternative Richtung. Ich mag Menschen, die sich von der Masse abheben. Doch er hatte auch viel an sich, was mich an einen Ex erinnert, mit dem ich heute aus vielen Gründen nicht mehr zusammen kommen würde. Bestimmt ein Kiffer, dachte ich. Bestimmt stinkt er… Bestimmt tickt er ähnlich…
Im Bus setzte er sich schräg vor mich und unterhielt sich lebhaft mit zwei Menschen, die er kannte. Plötzlich entdeckte ich einen kleinen Smiley =) , der unter sein linkes Auge tätowiert war, kaum größer als ein Pfefferkorn, und schlagartig war er mir sympathisch. Nach und nach bemerkte ich die verschiedenen Ohrringe, die er trug und auch die machten ihn sehr interessant.
Auch wenn diese Dinge nicht bewirkten, dass ich ihm tatsächlich hätte nah sein wollen, so änderte es trotzdem das Gefühl, das seine Erscheinung mir gab.

Als er Ausstieg, folgten meine Blicke ihm. Er bemerkte mich, grinste breit und winkte mit beiden Händen. Ich winkte zurück und das Lächeln verweilte noch eine ganze Weile auf meinen Lippen.

Sexual healing ~ Badewannen Fantasien

Schnellen Schrittes eilte ich durch die dunklen Straßen. Hatte ich mich auf dem Hinweg zu meiner Verabredung noch so frei und elegant dabei gefühlt, kam es mir jetzt nur noch elend vor. Durchgefroren bis auf die Knochen und enttäuscht bis auf’s letzte, schimpfte ich mit mir selbst. Warum nannte ich diese Menschen meine Freunde? Und noch viel mehr: Warum begab ich mich immer wieder in diese Situationen?
Innerhalb weniger Stunden hatte ich mich von jemandem, der das Leben liebte verwandelt in ein Häufchen Elend, das sich vorkam wie der letzte Depp auf Erden.

Ich wäre nach wie vor unfähig das Gefühl zu beschreiben. Ein übler Kompott aus Wut, Trauer und Zweifel an allem… Noch viel weniger könnte ich sagen wo eigentlich das Problem dieser wiederkehrenden Situation war.
Ich vermisste einfach nur noch den einen Menschen, der mir nie dieses Gefühl geben würde. Der eine Mensch, bei dem sich die Welt immer in die richtige Richtung drehte, Wahrheiten immer die selben waren und die Dämonen der Ängste in ihre Schatten flüchteten.
Doch mein König war in so weiter Ferne. Bei dem Gedanken gleich eine leere, dunkle Wohnung zu betreten, hätte ich am liebsten geweint, wenn ich es könnte.

Zu Hause angekommen warf ich meine Sachen von mir, zog mich aus und ließ mir ein heißes Bad ein, um mich auf zu wärmen. Innerlich leer, blickte ich die Fliesen an. Das mein Bad grau war, fiel mir immer nur in solchen Momenten auf. An anderen Tagen projizierte meine Fantasie bunte Bilder auf diese Wände und ich feilte stets an irgendwelchen Ideen.
Es war ganz still, bis auf das Wasser, das sich unter meinen Ohren kräuselte, wenn ich mich bewegte.

Ich seufzte resignierend, schloss meine Augen und dachte an dich, mein König. Ich ließ gemeinsame Erinnerungen vor meinem inneren Auge auftauchen. Deine Wärme, deine Liebe, deine Macht über mich… Niemand sonst, gibt mir all diese Gefühle. In deinen Armen bin ich eine Göttin, in deinen Armen könnte ich für immer bleiben, ohne das Gefühl zu haben, etwas zu verpassen.
Ich begann mich zu streicheln. Meine Hände wanderten über meinen Körper, als wären sie von dir und deiner Hingabe beseelt.

Ich stellte mir vor, dass du in diesem Moment überraschend von deiner Reise wieder kamst. In deinem Anzug betratst du das Bad und hieltst überrascht inne, als du mich beim Spiel mit mir selbst erwischtest.
„Ah! Ah!…“, sagtest du mit mahnendem Zeigefinger, als ich aufhörte um dich zu begrüßen, „das machst du schön zu Ende.“
Lässig lehntest du dich gegen die Wand und sahst mir mit verschränkten Armen und feurigen Augen zu. Hin und wieder geiltest du mich auf mit Worten wie: „Komm zeig’s mir meine kleine Schlampe“ oder du gabst mir Anweisungen, wie ich mich berühren oder drehen sollte.
Als ich begann mich dem Höhepunkt zu nähern, knietest du dich neben die Badewanne und begannst mich hart zu fingern. Das Wasser plätscherte wie wild, der Ärmel deines Anzugs sog sich damit voll und es bespritzte auf dein weißes Hemd, so dass immer mehr Haut durchschien.
Dein Blick war wild und gerade zu stählern, deine Ausstrahlung die eines Raubtieres. Deine andere Hand legte sich auf meine Kehle, die Finger drückten links und rechts fest in meinen Kiefer und fixierten so meinen Kopf.
Ich sah dir wie gebannt in die Augen und ließ deinen wilden Blick sich bis in die Tiefen meiner Seele brennen, bis ich kam.

Mit dem Abebben meines Orgasmus, verblasste auch dein Bild an meiner Seite… Entspannt seufzte ich. Es war verrückt, doch ich hatte das Gefühl gerade tatsächlich diesen Moment mit dir geteilt zu haben.

Komm zurück mein König…

Mit verbundenen Augen liege ich hier, gebettet in Satin. Die Handschellen lassen meinen Armen nicht viel Platz für Bewegung und auch meine Füße können nichts greifen, sie gleiten nur verloren über das große Meer aus glattem Stoff.
Die Temperatur ist gerade so, dass sie auf Messers Schneide zwischen warm und kalt balanciert. Doch ich kann spüren wie sich meine Nippel suchend in die Höhe schrauben.
Ich warte… Eben lagen seine Hände noch warm und weich auf meiner Haut. Sie glitten über meine Rippen, entlang der Außenseiten meiner Oberschenkel und zuletzt ließ mich ein Kniff in meinem linken Zeh aufzucken, bevor jegliches Zeichen seiner Anwesenheit im Nichts verschwand.
Ich warte… Noch eben waren seine Berührungen so real wie Feuer gewesen, doch sie verblassten zu einer erkalteten Erinnerung. Wie Eis bohrten sich die Bahnen, die seine Hände zogen, in meine Haut. Es war ein Nagen, das fast schon zu einem Schmerz heran wuchs und mich immer unruhiger werden ließ. Doch egal wie sehr ich mich anstrengte, alles was ich hören konnte, war mein eigener Atem und das laute Tacken eines alten Weckers, das sich in meine Ohren fraß.
Ich warte… Auch wenn das beharrliche Tacken des alten Weckers ein Zeichen von vergehender Zeit war, hatte ich keinen blassen Schimmer, wie lang ich hier schon lag. Jeh mehr ich mich wehrte, jeh mehr ich tobte in meinem kleinen Rahmen, um so langsam schien sie zu vergehen und um so tiefer Bohrte sich das Verlangen.
Ich beginne zu winseln… „Komm zurück mein König… Bitte!“